Kolumne

ein anstrengender tag

Dorothea Schlueter hat den dritten Teil Ihrer Kolumne fertig gestellt, diesmal sogar mit einem Informanten aus dem Gängeviertel.

betroffenheit, blumen gießen

ch weiß nicht, ob ich jetzt zwei kolumen schreiben soll – eine für den fall, dass menschen zu tode kommen in dieser nacht und eine nur für verletzte und sachschaden. das anstrengende ist die betroffenheit aus der ich mich nicht herauswinden kann. sie ist um so dumpfer, je weiter ich von aktionistischen schauplätzen entfernt bin, auf diesen schauplätzen kann man aber nicht platznehmen und texte schreiben.

junge und mittelalte künstler können sich am donnerstag nicht dabei bremsen, den teil ihrer gruppe als weicheier zu titulieren, die wegrennen wenn es kracht zwischen den häusern.

t. soll im gängeviertel die tür zuschmeißen und absperren, wenn die polizei über den hof gerannt kommt. er hat ausgerechnet dass er für die 12 meter bis sie die tür erreichen werden, 1,4 sekunden reaktionszeit hat. tagsüber war es recht leer. ein chor übte im keller und boys saßen oben ohne in der sonne – chefs wie immer und überall auf der welt. (ich paraphrasiere hier aus t.s kurznachrichten)

überall sitzen am abend menschengruppen, die so tun, als säßen sie häufiger so mit ihren freunden und der familie vor ihren läden, möglicherweise sitzen ladenbesitzer wirklich gerne mal vor ihren läden, aber nicht alle gleichzeitig, denn tatsächlich ist dies vor allem eine methode die fensterscheiben zu bewachen.

die sonderbarste szene dieser verschiedenen scheibenwachen am frühen abend spielt sich vor dem laden »die nächte von beirut ab«: aneinander gereiht sitzen hier entlang der ganzen langen front des lokals junge männer mit tadellosen frisuren, gepflegter haut, runden schultern und seidenweichgespülten football-trikot-hemden, gelassen wie die paten, breitbeinig, jeder mit einer wasserpfeife in der hand und schauen auf die straße. eine art public viewing situation. sie unterhalten sich nicht.

in der dämmerung fahre ich am amtsgericht in altona vorbei und beobachte gewöhnliche streifenpolizisten dabei, wie sie fotos von fenstern machen die sie mit taschenlampen ausleuchten. ich verstehe erst was sie tun, als ich mit dem fahrrad durch glasscherben fahre, irgendwie scheint mir der zeitpunkt dieser bestandsaufnahme, also das dokumentieren irgendwelchen glasbruchs doch zu früh, denn es ist erst 22 uhr.

die lustigen sachen sind von vorgestern, also vom mittwoch »alles allen« stand auf einem transparent, ein videoblogger ohne größere deutschkenntnisse der dieses plakat abfilmte, überlegt, was diese zwei worte wohl bedeuten könnten, er spricht live und hat nicht viel zeit, weshalb er sich entscheidet für: »uhh, maybe this ‚allan‘ is a famous guy.«