Kolumne

Der Windhund

Unser hoffnungsvoller Jungredakteur – der sich bereits im Säuglingsalter unmissverständlich dem Projekt der Entzauberung der Welt (Aufklärung) verschrieben hat: »Es gibt keinen Weihnachtsmann« (1999) – hier mit dem 4. Teil seiner täglichen Kolumne.

Bist eben ein Windhund – Das ist es –
Haare wachsen lassen und dünne Beine anschrauben
schnell im Kreis mit angesägter Leine rennen
bis er aufgibt und sich öffnet das Runde und dann über die
Felder unterwegs einen Hasen verputzen und noch ne Stunde ratzen
80km/h zu laufen macht müde, aber dann auch schon weiter
Ich bleib im Wald und gewöhn mich an die Geräusche-Regenschutz‑
Toilette weit weg – Feuer-rein-starren – am Arsch lecken können sie mich
alle mal – kleines Radio, solarbetrieben – Aktienkurse steigen und sinken
Das kapiert man oder? ich glaube doch… hier ist keiner über
40-Jährige der nicht weiß, warum man einen Krieg in einem anderen
Land anfangen muss? Schritte, Taschenlampe… hab ich nicht…hier.
Hausnummer… und wenn ich mich weigere? in der Gegend wird
eingebrochen… wo waren sie gestern gegen 5…ah…ha
kann das jemand bezeugen… Beruf? – Windhund …und wo war den
der Windhund vorgestern gegen 8? Hasenjagd …deswegen die ganzen
abgenagten Knochen …deswegen der Haarschnitt …nein
ich habe kein Vorurteil gegen Windhunde… Sie bleiben über Nacht.
und wenn ich mich weigere? Deswegen müssen sie mir doch nicht in
Nieren schlagen und mein‘ Kopf gegen die Wand donnern dass ich blute!
Sie wussten nicht dass Windhunde bluten, vielleicht verwechseln
sie die mit Weinbergschnecken und jetzt noch Tränengas
Gut …ist ja schon gut 3 zu 0 für euch – Hört ihr den Donner nicht
hört ihr das …wer da spricht, der Hundegott? Nein, den gibt’s hier
nicht leider, es gibt sowieso nicht so viele Rätsel – leider –
die selbstgemacht sind, keine, und die aus den Zeitungen
werden nicht besser …ich quetsche
mich und mach mich dünn und dann zurück in’n Wald –
Es waren 20 Tierschützer.
 – Eine Frau filmte sein Lager. Ein anderer
schaufelte Erde in eine Tüte. Die Kaninchenknochen
wurden eingesammelt – links ein Fernsehteam – »Da… da ist die
Bestie…!« »Nicht schießen! Nicht schießen!« der Mann mit der Tüte
warf sich mit einem unansehnlichen Hechtsprung dazwischen
und wurde an der Schulter getroffen – »Alte Pisse hau ab!« brüllte der
Jäger ihn an – wimmernd erbrach er sich und stöhnte laut in den Wald.
Die Reporterin hielt mir das Mikro hin: »Na mein Kleiner… bist gar kein
Monster… nä… dann komm doch mal her.« Wir kauerten beide unter
einem modrigen Gebüsch… hinter uns wurde der Mann verbunden… einige
Jäger prügelten auf die Tierschützer ein. »Das ist unser Wald« brüllten sie
»Mörder Mörder« brüllten die anderen. »bell doch mal…
nun bell doch mal…« ihre Stimme überschlug sich »mach laut
mach doch mal lauter du dünnes Arschloch«, er versuchte mir das Mikro
an meinen Windhundkopf zu schlagen, ich biss ihm in die Hand und lief
Richtung Startbahn. Da war ich sicher, denn als ich mich umdrehte
waren alle verschwunden – Hol sie… sei jemand! nicht so wie die anderen