Kolumne

Bartwuchs

Dorothea Schlueter schließt ihre G20-Kolumne mit putzenden Bürgern und beflissenen Polizisten.

n. hat gesagt, ich soll mal lieber von mir selber was erzählen, als über irgendwelche sachen. sie hat recht, denn erstaunlich ist: ich bin immer noch nicht alle, anders sogar: sozusagen halb voll oder besser fast noch gar nicht angebrochen sind meine energien. abgesehen davon dass ich total im arsch bin.

noch mal: es kann nicht sein, dass dieses szenario schon wieder das ende sein soll: haare kämmmen püppchen wiegen, weil wir sonst kein lohnjob kriegen, … kratzen, putzen, schmücken wiegen, ist mir egal, kann sowieso nicht sein, dass es das schon wieder war. dabei wollte ich mich gerade auf eine neue form der verkaterten weltsicht eingewöhnen und jetzt soll es das schon wieder gewesen sein? auf dem schulterblatt wehen lappig zettel in der leicht windigen nacht mit grußadressen an die liebe weltgemeinschaft im hagebaueimer.

ja, richtig, die hochschule für bildende künste putzt schon die ganze woche für ihr 250jähriges jubiläum. da gab es keine abweichungen im protokoll und keiner wurde ausgelassen im wettbewerb der feudel. da wurde sauber in den lücken der fassade gekärchert.

derweil fasel ich meine gastgeberin anderenorts betrunken in grund und boden, weil mir, wenn die wände zwischen politik und kunst im steilen canyon stehen, immer nur pädagogik einfällt. denn damit kenne ich mich aus … aber meine gastgeberin auch. denn das ist ihr beruf. das ist aber auch ihr problem. denn das ist meine chance. ich schwalle sie voll, weil sie eben auch etwas davon wissen muss. (die kunsthochschüler des 250 jahr gehäuses suchen derweil verätzt das weite. aber die studenten meine ich auch nicht – ich meine die kinder (ja, man kann sehr betrunken sein)).

der polizist mit den sexy schulterpolstern sagt mir heute am sonntag abend, er würde die »order« stunde auf stunde ausführen. Er ist arm dran, denn alle verhalten sich wie immer und es gibt nichts, was »stunde auf stunde« protokolliert werden müsste.

man muss sich das mal vorstellen, es gib 14 jährige, die haben jetzt 20 kannen rasierschaum von budni und warten, dass ihnen endlich ein bart wächst. Pädagogik ist ein echt großes ding!